Elektro (2x Tesla P85+) vs. H² (Toyota Mirai)

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03.11.2015 Tour im Toyota Mirai - der Original-Ticker

 

Von Wilfried Eckl-Dorna, Nils-Viktor Sorge und Florian Schultz

 

1. Teil: Sprinttest auf 170 - packt er das?

 

9.00 Uhr: Es geht los! Guten Morgen aus dem Toyota Mirai! Wir starten von der Vattenfall-Wasserstoff-Tankstelle am Spiegel-Haus zu einer Expedition mit dem Brennstoffzellen-Auto. Wir wollen auf einer zweitägigen Deutschland-Reise herausfinden: Ist dieser Wagen der Weg in die Zukunft des Automobils? Und: Ist Deutschland gerüstet für das viel beschworene Wasserstoffzeitalter?

 

9.10 Uhr: Der Mirai ist das erste Großserienauto, das eigens als Wasserstofffahrzeug konzipiert wurde. Ein Brennstoffzelle erzeugt aus getanktem Wasserstoff und Sauerstoff aus der Luft Strom. Der treibt wiederum einen Elektromotor an. Also ist der Mirai auch ein Elektroauto. Benzin und Diesel? Nicht mehr nötig.

 

9.15 Uhr: Wir gleiten noch durch den Hamburger Stadtverkehr in Richtung Autobahn. Unser erstes Ziel ist heute Berlin. Zu hören ist ein leichtes Surren des Elektromotors, dazu saugt die Brennstoffzelle beim Beschleunigen etwas vernehmbar Luft an. Alles ruhig und sehr komfortabel. Anders als bei einem Batterie-E-Auto: Wenn der Fahrer vom Gas geht, rollt der Wagen aus, es gibt keine Bremswirkung.

 

9.20 Uhr: Toyota will mit dem Wagen mal wieder technische Überlegenheit demonstrieren und langfristig seine Position als größter Autohersteller der Welt festigen. Bis zum Jahr 2050 wollen die Japaner so gut wie keine Autos mit Verbrennungsmotor (Diesel, Benzin) mehr herstellen, haben sie zuletzt angekündigt. Wasserstoff ist dazu ein entscheidender Faktor. Schon 1997 erregte Toyota mit dem Prius Aufsehen. Der Hybridwagen wurde zunächst belächelt, inzwischen hat sich die Technik etabliert. Wie wird es wohl mit der Brennstoffzelle und dem Mirai? Schreiben Sie uns Ihre Meinung auf Facebook! Und machen Sie mit bei unserem Vote: Welcher alternative Antrieb wird in zehn Jahren am bedeutendsten sein?

 

9.25 Uhr: Wir sind auf der Autobahn in Richtung Berlin und schwimmen bei 110 Stundenkilometern mit. Der Wagen soll 500 Kilometer mit einer Ladung Wasserstoff weit fahren können. Nach Berlin zur nächsten Wasserstofftankstelle sollten wir es also leicht schaffen, das sind knapp 300 Kilometer. Daher wollen wir gleich auch einmal den ersten Sprinttest mit dem Auto wagen.

 

 

 

9.35 Uhr: Einmal die Power-Mode-Taste gedrückt, und ab geht's. Von 90 Stundenkilometern hinter den Lastwagen auf 170 geht's recht flott. Danach ist dann bald Schluss. Ein 120-Schild hat uns in diesem Fall den letzten Kick vereitelt. Wir sitzen definitiv nicht in einem Sportwagen, aber für ein Fahrzeug der oberen Mittelklasse geht die Beschleunigung völlig in Ordnung. Offiziell schafft es der Wagen von 0 auf 100 in 9,6 Sekunden. Und das ansatzlos, wie bei Elektroautos üblich. Wenn der Mirai anzieht, ist kaum etwas zu hören. Dabei wissen wir, dass der Wagen unter Höchstlast große Mengen Sauerstoff in die Brennstoffzelle ansaugen muss.

 

2. Teil: Reichweite schwindet schneller als gedacht

 

9.50 Uhr: Nun haben wir das Pedal noch einmal voll durchgedrückt. Für echte Gasfüße ist der Wagen vielleicht nicht der richtige, aber für die ist er ja auch nicht gedacht. Dafür fühlt man sich auch dank der zahlreichen Assistenzsystem gut und sicher aufgehoben - wie in einem gut ausgestatteten "normalen" Auto.

 

10.10 Uhr: Wasserstoff - das ist ja eine Substanz, mit der viele Träume verbunden sind. Er lässt sich sauber aus Wasser und Ökostrom erzeugen und könnte somit dazu beitragen, Umweltprobleme und Ressourcenknappheit zu überwinden. Doch der Weg zu einer Wasserstoffwirtschaft ist noch weit. Wir erkunden auf dieser Fahrt, wie weit. Unsere Route: Hamburg-Berlin-Geiselwind (Nordbayern)-Frankfurt-Ruhrgebiet-Hamburg. Sie ist auch dadurch bedingt, dass es auf diesem Weg (hoffentlich) genügend Tankstellen gibt. Unter anderem wollen wir eine Power-to-Gas-Anlage besuchen, in der Wasserstoff hergestellt wird. Und wir unterhalten uns mit Experten darüber, wie das Tankstellennetz erweitert werden könnte. Aber auch Spaß und ein wenig sportlicher Ehrgeiz sollen nicht zu kurz kommen. Dazu gleich mehr.

 

10.40 Uhr: In Berlin treffen wir einen alten Bekannten, Hansjörg Eberhard Gemmingen-Hornberg. Er ist passionierter Tesla-Fahrer. Wie der Mirai kommt das batterieelektrische Tesla Model S mit einer Ladung etwa 500 Kilometer weit. Da liegt es nahe, die Autos einem Vergleich zu unterziehen. Heute ab Mittag starten wir daher parallel von Berlin zu einer Fahrt ins etwa 450 Kilometer entfernte Geiselwind, wo sich sowohl eine Schnelladesäule für Teslas als auch eine Wasserstofftankstelle befinden. Mal sehen, wer sich die Energie besser einteilt und eher am Ziel ist!

 

10.50 Uhr: Dazu müssen wir allerdings noch besser herausfinden, wie weit wir mit dem Toyota Mirai eigentlich in der Praxis kommen. Die Reichweitenanzeige erweist sich bisher als Buch mit sieben Siegeln. Obwohl wir heute morgen vollgetankt haben, wies sie nur einen Reichweite von 338 Kilometer aus. Es soll laut Toyota daran liegen, dass der Wagen bisher eher sportlich gefahren wurde und die Anzeige dieses Fahrverhalten zugrunde legt. Allerdings verbrauchen wir auch bei konstant Tempo 120 laut Anzeige etwa 1,2 Kilogramm Wasserstoff pro 100 Kilometer - etwa 20 Prozent mehr als angegeben. Oh oh, da hat Toyota doch nicht auf dem Prüfstand geschummelt?

 

11.10 Uhr: Am Wind kann es jedenfalls nicht liegen, der kommt ganz schwach von der Seite. Vielleicht müssen wir den Wagen noch ein bisschen besser kennen lernen. Oder etwas langsamer fahren. Es wird jedenfalls spannend.

 

3. Teil: Wir fahren - und Toyota liest mit

 

11.15 Uhr: Also machen wir einen Test: zehn Minuten bei Tempo 90. Aha - die Geschwindigkeit scheint der Brennstoffzelle besser zu bekommen. Der Verbrauch sinkt drastisch auf 0,8 Kilogramm Wasserstoff pro 100 Kilometer. Da der Tank des Mirai 4,4 Kilogramm Wasserstoff fasst, sind wir beruhigt.

 

11.30 Uhr: Der Energieverbrauch des Mirai steigt oberhalb von 100 Stundenkilometern offenbar deutlich an. Da scheint irgendwie eine Übersetzung wie beim guten alten Verbrennungsmotor zu fehlen. Wir sind ja mit einer stufenlosen, komfortablen Automatik unterwegs. Immer wieder ist aber zu lesen, dass auch Elektroautos bald mit mehrstufigen Getrieben ausgestattet werden könnten. Wenn es das Fahren bei hoher Geschwindigkeit leichter macht - gern. Wir haben noch etwa 50 Kilometer bis Berlin zu fahren, der Tank ist noch zu etwa einem Drittel voll.

 

11.45 Uhr: Wir bekommen einen Hinweis aus der Toyota-Zentrale auf den Autobildschirm gesendet: Der Wagen kann durchaus Bremswirkung entfalten, wenn der Fahrer den Fuß vom Gas nimmt - anders als von uns zunächst beobachtet. Dazu muss der Schalthebel auf "Br" getippt werden. Dann nimmt die kleine Nickel-Metallhydridbatterie des Wagens mehr Bremsenergie in kürzerer Zeit auf. Klar, Toyota liest mit, was wir hier mit ihrem schönen Wagen machen.

 

12.10 Uhr: Berlin, Berlin - wir sind in Berlin! Und zwar bei der Total-Wasserstofftankstelle an der Heerstraße. Die Sonne strahlt in eine Gruppe von Elektroautofahrern, die schon auf uns warten. Zwei Teslas wollen es ab etwa 13 Uhr mit uns aufnehmen auf der nächsten Etappe nach Geiselwind (Nordbayern). Ein Tesla darf zwischenladen, der andere nicht. Wer ist am schnellsten am Ziel? Die Antwort soll uns einen Hinweis geben, ob mit Stand heute die Batterietechnik oder die Brennstoffzelletechnik weiter vorn ist! Wir machen eine kleine Mittagspause und melden uns gegen 13 Uhr wieder!

 

13.45 Uhr: Unser zweiter Tankstopp an einer Total-Tankstelle in Berlin hat doch etwas länger gedauert als geplant. Und er war günstiger als erwartet - denn für den getankten Wasserstoff wurden uns exakt null Euro in Rechnung gestellt. Ganz ausgereift ist die Abrechnung also noch nicht. An der Tankstelle haben wir die Tesla-Fans Hansjörg von Gemmingen und Fabian Becker getroffen - mit ihnen liefern wir uns nun eine Wettfahrt der eher ungewöhnlichen Sorte.

 

4. Teil: Wettfahrt gegen Weltrekordler

 

13.55 Uhr: Hier ein wenig Hintergrundwissen: Unsere Wettbewerber Hansjörg von Gemmingen und Fabian Becker sind Weltrekordhalter. Im Sommer fuhren die beiden vom Starnberger See in Bayern ins spanische Tarifa nahe Gibraltar, von dort ans Nordkap und wieder zurück nach Bayern. 14.000 Kilometer haben sie dabei in 14 Tagen zurückgelegt und halten daher den Elektroauto-Fahrrekord mit der geringsten Ladezeit. In der Wettfahrt mit uns geht es aber ums Durchhalten: Mit komplett geladenen Akkus sollten die beiden Tesla Model S, mit denen wir um die Wette fahren, in etwa so weit kommen wie wir mit unserem Wasserstoff-Mirai.

 

14 Uhr: Ein Blick in unsere Live-App zeigt: Der Toyota Mirai und der Tesla von Hansjörg von Gemmingen ("Tesla P") liegen ungefähr gleichauf. Der Tesla von Fabian Becker ("NoMieV") hat sich abgesetzt. Allerdings wird der NoMiE-Tesla auch zwischenladen, und wir haben gute Chancen, ihn beim Boxenstopp wieder einzuholen.

 

14.05 Uhr: Von Berlin aus sind es 445 Kilometer bis ins bayerische Geiselwind - wo wir eine von deutschlandweit 20 Wasserstoff-Tankstellen finden und unsere Tesla-Begleiter einen Schnelllader. Diese Entfernung stellt den Mirai auf eine Probe: Um diese Distanz zu schaffen, müssen wir unser Autobahntempo ziemlich drosseln und fahren mit 90 km/h. Hansjörg Gemmingens Tesla Model S hat bereits 180.000 Kilometer abgespult, seine Batterie ist also nicht mehr ganz frisch - und soll noch 450 Kilometer mit voller Ladung schaffen. Fabian Becker darf mit seinem Model S einmal an einem Supercharger zwischenladen.

 

14:15 Uhr: Ein knappes Zehntel der Strecke nach Geiselwind haben wir bereits geschafft - mit moderatem Fahrstil. Der Tempomat steht aktuell bei 90 km/h, ein einziges Mal haben wir auf 100 km/h beschleunigt - aber nur kurz. Derzeit zeigt uns der Bordcomputer einen Verbrauch von 0,8 Kilogramm Wasserstoff auf 100 Kilometer an. Wenn wir diesen Schnitt halten, dann kommen wir mit den 4,4 Kilogramm Wasserstoff im Tank des Mirai auch problemlos nach Geiselwind.

 

14:15 Uhr: Unsere beiden "Gegner" in den Teslas gehen die Wettfahrt vom Fahrstil her sehr unterschiedlich an. Fabian Becker ("NoMiE") ist nach den ersten 15 Minuten an uns vorbeigezogen und liegt deutlich vorne - kein Problem für ihn, er darf ja nachladen. Das können wir mangels Infrastruktur (siehe Grafik links) nicht. Hansjörg von Gemmingen ("Tesla P") hing lange in unserem Windschatten, hat uns aber vor 10 Minuten überholt. Windschatten fahren können wir aber auch - wir hängen uns für eine Weile hinter einen Lkw bei 88 km/h.

 

14.35 Uhr: Bei klarer Spätherbstsonne durchqueren wir auf der A9 das Naturparkzentrum Hoher Fläming rund 70 Kilometer südwestlich von Berlin. Die ersten Windparks haben wir bereits gesichtet - und sie erinnern uns daran, dass man den Treibstoff für unser Auto auch sehr umweltfreundlich per Elektrolyse herstellen könnte. Doch noch sind solche mit Ökostrom betriebenen Anlagen rar. Immerhin gibt es bereits die ersten Wasserstoff-Tankstellen, die ihren Kraftstoff nach diesem Verfahren selbst vor Ort herstellen. Kostendeckend ist das allerdings nicht, hat man uns erklärt.

 

14.45 Uhr: Der Großteil des industriell genutzten Wasserstoffs wird in Deutschland jedoch aus Erdgas gewonnen. Diese Art der Erzeugung ist die derzeit wirtschaftlichste, heißt es in der Industrie. Zu diesem Thema befragen wir um 16 Uhr noch einen Experten von Shell. Der soll uns auch erklären, warum es in Deutschland noch immer so wenige Zapfsäulen für Mirai und Co. gibt.

 

14.50 Uhr: Große Erleichterung im futuristischen Cockpit des Mirai: Wir haben jetzt ein Fünftel unserer Strecke geschafft, der Tank ist aber zu sieben Achtel voll. Vielleicht geben wir ja nochmals Gas - oder Wasserstoff, um präzise zu sein - und überholen Hansjörg von Gemmingen. Doch wir müssen uns da etwas disziplinieren. Überholmanöver werden wir wie bei Fahrradrennen erst am Ende starten, wenn der Akku des Tesla schwächer und schwächer wird.

 

15.05 Uhr: Wer wissen will, wie der Mirai von außen und innen aussieht: Wir haben ein paar Bilder dazu vorbereitet.

 

15.20 Uhr: Als angenehm für unsere Langstreckenfahrt erweist sich der adaptive Tempomat, den Toyota dem Mirai unter die Haube gepackt hat: Damit fahren wir recht sparsam hinter den Lkws. Was wir allerdings vermissen, ist eine präzisere Angabe der Restreichweite oder des restlichen Tankinhalts. Auf der Anzeige lässt sich dieser nur in Achtel-Schritten ablesen - da wäre es schön, wenn wir die verbleibenden Wasserstoff-Kilos im Tank oder Prozentzahlen sehen könnten.

 

5. Teil: Stauromantik bei Leipzig

 

15.35 Uhr: Unsere Tempo-Enthaltsamkeit macht sich bezahlt: 150 Kilometer haben wir jetzt hinter uns, dafür haben wir knapp zwei Stunden gebraucht. Der Tank ist noch zu mehr als drei Viertel mit Wasserstoff gefüllt. Hansjörg von Gemmingen haben wir soeben überholt - und wir hoffen, dass wir unseren leichten Vorsprung bis in Ziel retten.

 

15.40 Uhr: Knapp sechs Stunden sind wir nun im Mirai unterwegs. Auch dank Toyota-Großserientechnik und diverser Assistenzsysteme fährt sich Toyotas Zukunftshoffnung gar nicht so futuristisch, wie sie außen aussieht - sondern ziemlich normal. Die Reichweite gibt Sicherheit, wenn man wie wir sehr kommod fährt - allerdings gehen die Wasserstoff-Tanks zulasten des Platzangebots im Inneren. Nur zwei Sitzplätze hinten und eine nicht umklappbare Rückbank - für ein massenkompatibles Familienauto wäre das ein No-Go.

16.00 Uhr: Unseren Vorsprung gegenüber dem roten Tesla von Hansjörg Gemmingen konnten wir leider nicht halten: In einem Stau hat er die bessere Spur gewählt - und ist an uns vorbeigezogen. Doch wir sind nach wie vor sicher, dass wir zuerst ankommen. Denn nach 190 Kilometern ist der Wasserstofftank noch immer zu drei Viertel voll - wir haben also noch genug Reserve, um auf dem letzten Drittel des Rennens noch einmal richtig "Dampf" zu geben.

 

16.05 Uhr: Noch einfacher wäre es für uns während der Wettfahrt, wenn es nicht nur eine Handvoll Wasserstoff-Zapfsäulen in Deutschland gäbe. Laut der Karte der Clean Energy Partnership sind derzeit 17 Wasserstoff-Tankstellen in Deutschland in Betrieb. Herkömmliche Tankstellen gibt es 14.000, Erdgas kann man an 1000 Tankstellen bundesweit tanken. Warum das so ist, erklärt uns nun ein Wasserstoffexperte des Ölunternehmens Shell Börsen-Chart zeigen im Telefoninterview. Bitte daher um etwas Geduld.

 

Stauromantik bei Leipzig: Dass es zeitweise nur langsam vorangeht, liegt nicht am Wasserstoff-Antrieb, sondern am dichten Verkehr

 

16.45 Uhr: Am roten Tesla von Hansjörg Gemmingen sind wir während unseres Interviews mit dem Shell-Verantwortlichen für Wasserstofftankstellen wieder vorbeigezogen - doch jetzt wird die Landschaft hügeliger. Unsere Taktik: Wenn es runtergeht, ordentlich laufen lassen. Doch wenn es im Thüringer Wald raufgeht, drosseln wir das Tempo wieder auf 92 km/h - so sparen wir Wasserstoff für den Schluss-Spurt.

 

17.00 Uhr: Der zweite "gegnerische" Tesla von Herrn Becker lädt gerade an einem Supercharger am Autohof Münchberg - so eben mal tanken, das klappt bei unserem Wasserstoff-Verfolgerauto leider nicht. Laut Shell-Mann Manfred Becker, den wir eben am Telefon interviewt hatten, soll sich das aber in den kommenden Jahren ändern. Becker ist bei dem Ölriesen für die Planung. Umsetzung und den Betrieb von Wasserstoff-Tankstellen weltweit verantwortlich. Aktuell betreibt Shell drei Wasserstoff-Zapfsäulen in Deutschland. In den kommenden Monaten sollen vier weitere dazukommen, zwei davon sogar noch bis Ende des Jahres. Flächendeckend ist das nicht - aber immerhin ein Anfang.

 

17.05 Uhr: Kurzer Zwischenstand zur Wettfahrt: Wir liegen noch immer leicht vor Herrn von Gemmingen - allerdings hat er, wie er uns per Telefon erzählte, noch immer 200 Kilometer Restreichweite auf der Uhr - nach 280 gefahrenen Kilometern. Wie macht er das nur? Unser Tank ist exakt halbvoll - und weil wir vorne liegen, machen wir jetzt mal eine ganz kurze Fahrpause. Auch das Tesla-Team muss noch eine kurze Pause machen.

 

6. Teil: Herzschlagfinale im Mirai gegen den Tesla - mm-Leser bereiten Fahrern großen Bahnhof

 

17.10 Uhr: Der Zufall will es, dass wir ausgerechnet an einer konventionellen Shell-Tankstelle halten. Rund eine Million Euro würde es kosten, eine solche um eine Wasserstoffsäule zu ergänzen.

 

17.15 Uhr: Nach kurzem Boxenstopp und Fahrerwechsel sind wir wieder auf der Autobahn. Hansjörg von Gemmingen im Tesla ist uns inzwischen enteilt. Wir setzen darauf, dass er auch noch die vereinbare kurze Pause macht, sonst wird es wohl schwer ihn einzuholen.

 

17.30 Uhr: Bis zum Jahr 2023 soll es in Deutschland 400 Wasserstofftankstellen geben, sagt Shell-Mann Becker. Einen Großteil davon werde Shell bauen. Die Kosten pro Anlage könnten nach und nach auf 700.000 Euro sinken, schätzt er. Eine Schnellladesäule für Batterie-Elektroautos kostet nur einen Bruchteil davon - aber man würde wegen der bisher längeren Ladezeiten wohl auch deutlich mehr benötigen.

 

17.42 Uhr: Aha! Wir sehen einen Tesla im Rückspiegel, sind also wieder knapp vorn. Jetzt werden wir sehen, wer auf den letzten 109 Kilometern mehr Reserven hat.

 

17.44 Uhr: Sollte es am Ende doch noch auf die Höchstgeschwindigkeit ankommen, würde der Mirai wohl den Kürzeren ziehen. Er schafft 178 Stundenkilometer, das Model S 210. Bei derartigem Tempo halten allerdings beide nicht lange durch.

 

17.55 Uhr: Tesla-Fahrer von Gemmingen hat auch eine kleine Pause eingelegt, daher liegen wir im Mirai wieder vorn. Zudem hat der Tesla-Bordcomputer signalisiert, dass es der Wagen möglicherweise nicht ins Ziel schafft. Grund war laut Hansjörg von Gemmingen die zwischenzeitlich starke Steigung. Durch einen etwas langsamen Fahrstil versucht er, das Problem in den Griff zu bekommen.

 

Bei uns läuft´s dagegen rund derzeit: Mit 115 Stundenkilometern nähern wir uns Geiselwind.

 

18.03 Uhr: Noch einmal zur Erklärung für die letzten 80 Kilometer: Auf der Live-Karte liegen wir im Wasserstoffauto Toyota Mirai gerade an zweiter Stelle hinter dem batterieelektrischen Tesla von Fabian Becker ("NoMiE"), der aber an Teslas Schnellladesäulen zwischentanken durfte. An Position drei dann der Tesla von Hansjörg von Gemmingen ("Tesla P85+ ohne Laden"), der auf den 450 Kilometern unterwegs keinen Strom nachlädt und damit die gleichen Bedingungen hat wie unser Mirai. Zudem ist von Gemmingens Batterie nach 180.000 gefahrenen Kilometern schon etwas betagt.

 

18.19 Uhr: Der Tesla in unserem Nacken erhöht laut Karte das Tempo. Wir halten dagegen! Schließlich haben wir wegen der bisher sparsamen Fahrweise noch Reserven - unser Wasserstofftank ist zu etwa 20 Prozent gefüllt, während nur noch 10 Prozent der Strecke übrig sind. Jetzt geht es allerdings erst einmal ein Stück über die Bundesstraße, da lässt sich wenig herausholen.

 

18.24 Uhr: Wer sich beim Fahren eines Brennstoffzellen-Autos etwas Mühe gibt, kann die Reichweite gut einschätzen. Keine bösen Überraschungen bisher. Gleich auf der Autobahn in Richtung Geiselwind kommt das Finale - mit Wasserstoff-Power.

 

18.30 Uhr: Fabian Becker ist im ersten Tesla kurz vor dem Ziel. Wir versuchen, den zweiten Platz im Mirai vor Tesla-Weltrekordfahrer Hansjörg von Gemmingen zu halten - und direkt folgt die Schrecksekunde: Er überholt uns!

 

18.40 Uhr: Tesla-Fahrer Michael Wilberg hat sich bei uns gemeldet. Er reklamiert den Weltrekord über die kürzeste Ladezeit auf der Tesla-Tour über Tariva und das Nordkap für sich. Wir können das hier nicht auf die Schnelle auflösen. Tatsache ist, dass alle, die bei dem Rennen dabei waren, eine außergewöhnliche Leistung erbracht haben.

 

18.43 Uhr: Bei uns blinkt die gelbe Tankwarnleuchte. Noch 18 Kilometer. Wir haben von Gemmingen im Tesla wieder abgehängt, sehen ihn aber im Rückspiegel.

 

18.45 Uhr: Dichter Verkehr vor Geiselwind, das dürfte unserem Tesla-Wettbewerber nützen - wir können unsere Wasserstoff-Restenergie nicht ausspielen, müssen mit 110 Sachen fahren. Noch 12 Kilometer.

 

18.48 Uhr: Respekt schon jetzt für unseren Mitfahrer im Tesla. Reifendruck offenbar perfekt justiert. Selbst mit einer betagten Batterie nach 180.000 Kilometern schafft er offenbar locker die 450 Kilometer Distanz in fünfeinhalb Stunden, ohne nachzuladen. Oder macht sein Akku auf den letzten acht Kilometern doch noch schlapp?

 

18.49 Uhr: Die linke Spur ist dicht!! Und einen Toyota Mirai lässt einfach niemand vorbei.

 

18.50 Uhr: Doch, jetzt spurten wir noch einmal mit 150 kmh voran. Doch der Tesla zieht noch mit ...

 

18.51 Uhr: Die Brennstoffzelle des Mirai saugt wie verrückt Luft an, der Elektromotor fiept - wir spurten mit 170 kmh, der Tesla fällt wieder zurück.

 

18.52 Uhr: AAAARGH: Die Ausfahrt verpasst!!

 

18.53 Uhr: Das darf nicht wahr sein. Der Mirai hat wegen eines unverzeihlichen Fahrfehlers unsererseits verloren. Oder doch nicht? Immerhin dampfen wir munter weiter in Richtung Frankfurt - aber wir werden umkehren müssen. Was sagt das Reglement?

 

18.55 Uhr: Jedenfalls haben wir noch genug Wasserstoff im Tank, um den Fahrfehler auszubügeln. Der Tesla wird zwar vor uns am Ziel in Geiselwind sein, aber wir fahren 20 Kilometer mehr. Irgendwie fühlen wir uns daher auch ein wenig als Sieger. Dennoch: Glückwunsch an Hansjörg von Gemmingen, der sich nicht hat abhängen lassen!

 

19.00 Uhr: Auf der allerletzten Rille schleichen wir zur Wasserstofftankstelle. Dort wird uns der Teslafahrer sicher mit einem Grinsen erwarten. Doch der Mirai hat gezeigt, was in ihm steckt - inklusive Umweg. Wäre da nur nicht unser Malheur gewesen ...

 

19.08 Uhr: Das Ziel Geiselwind ist erreicht, die Wasserstoff-Zapfanlage haben wir aber noch nicht gefunden. Dort werden wir unseren Tesla-Mitfahrer gleich zu dem - äußerst knappen - Sieg beglückwünschen. Wir melden uns morgen wieder mit dem zweiten Teil unserer Tour mit dem Toyota Mirai! Danke, dass Sie heute dabei waren!

 

Doppelsieg!
1. Platz
Fabian Becker Gordon Becker P85+
2. Platz
Hansjörg von Gemmingen-Hornberg P85+
3 Platz Manager Magazin Toyota Mirai